Mit Spannung wurde das Wagenset 87620 von Märklin erwartet. Die Wagen der Bauart 1928 bis 1930 schliessen eine wichtige Lücke im DB-Fahrzeugpark der Epochen II, III und auch noch IV. Die genieteten Schnellzugwagen waren die Nachfolger der „Hechte“, welche nach wie vor auf eine Modellumsetzung in 1:220 warten. Mit späteren und früheren Bauarten und Wagentypen lassen sie sich ausserordentlich gut kombinieren. Das Wagenset stellt den Zustand Anfang der 1950er Jahre dar – somit fällt der Einsatz der V200.1, die erst 10 Jahre später auf die Gleise kam in die Kategorie „Modellbahnerische Freiheit“ für das Titelbild. In diesem Beitrag geht es auch nicht um Nietenzählerei, sondern um das Gesamtbild mit bemerkenswerten Neuerungen.
Abstand: 5 Millimeter beträgt der Abstand zwischen Puffertellern oder Faltenbälgen. Und dies trotz Verwendung der kurzen Kupplungsköpfe. Ein Tribut an die richtig angeordneten Drehgestelle. Abhilfe könnte mit den AZAR-Magnetkupplungen im Herbst 26 kommen, oder mit Eigeninitiative. Aber so wie hier schadet es dem Zugbild doch empfindlich.
Vergleich: Die Rheingoldwagen, hier im blauen F-Zug Farbkleid haben trotz der „langen“ Kupplungen etwas weniger Abstand und dieser wird durch die längeren Faltenbälge auch etwas besser kaschiert.
Detailfülle: Im Vergleich mit den deutlich älteren aber schön gemachten Rheingoldwagen zeigt sich wirklich ein spürbarer Fortschritt. Gerade die Nieten gefallen und alle anderen Partien sind toll ausgearbeitet.
Neukonstruktion: Bis auf die Kupplungen wurde kein Stein auf dem anderen gelassen. Die Wagen sind anders aufgebaut. Dach und Wagenaufbau sind nun eine Einheit, dafür bildet das Chassis ein eigenes Teil. Von Anfang an dabei ist die Inneneinrichtung, die unter dem etwas hochgesetzten Boden Gewicht und elektrische Verbindungen beherbergt. Diese werden an einem Wagenende zum Dach hochgeleitet. Man kann davon ausgehen, dass eine passende Innenbeleuchtung folgen wird.
Vergleich: Der neue Weg verglichen mit den alten Konstruktionsprinzipien. Die Wagenkasten-Chassis-Einheit war meist sehr stabil, neigt aber bei manchen Wagenmodellen doch zur „Bananigkeit“. Ebenso wölbten sich manche Dächer besonders an den Wagenende hoch. Die Jahre werden es zeigen, ob die moderne Kunststoffmischnung der Zeit trotzt und das Chassis nicht irgendwann durchhängt.
Drehgestell: Beide Modelle bilden das Görlitz III Drehgestell in der schweren Ausführung nach. Hier gibt es bei Vorbild wie Modell leichte Unterschiede in der Nachbildung. Technisch hat das neue Gestell mit dem alten nichts gemeinsam. Die Achsen sind Halbachsen, die mit stabilen Kunststoffbuchsen verbunden sind und laufen mit den Achsspitzen in ausgeformten Bronzeblechen. Stromaufnahme von allen Rädern und genial leichter Lauf sind garantiert. Gefühlt sind die Drehgestelle in der Breite etwas klobiger, was angesichts der zusätzlichen Bleche nicht verwundert. An dieser Stelle ist eine massstäbliche Darstellung in Z eh nicht möglich. Vielleicht sollte ich die Gestelle nochmals eingehend vergleichen…?
Nochmals Abstand: Im Anlagenbetrieb fällt es nicht sonderlich auf – solange der Zug stilrein bleibt. Mit anderen Modellen gekuppelt sieht man die Hochbeinigkeit aber sofort. Und einmal gesehen, leidet die Harmonie des Zuges durchaus. Schuldige hier sind die Bronzebleche im Wagenboden, die den Strom von den Drehgestellen ins Dach leiten. Diese Bleche sind straff und federn nur unwillig ein – der Wagenkasten wird einen knappen Millimeter hochgedrückt.
Tiefergelegt: Wenn die Wagen beschwert sind – hier durch einen 1:1-Finger mit Arm dran 🙂 – passt die Höhe zu anderen Wagen perfekt und auch der Wagen selbst wirkt besser.
Machen wir zum Schluss ein kurzes Fazit: Ich finde die Wagen wirklich gelungen und eine sinnvolle Ergänzug des Sortiments. Möglicherweise werde ich die zu grossen Abstände noch korrigieren und dies auch dokumentieren. meiner Meinung nach ist es aber wirklich Jammern auf hohem Niveau…
Im Anschluss noch einige bewegte Bilder:
