Die Fahrzeugsituation bei Schweizer Privatbahnen erforderte in der Vergangenheit immer wieder ungewöhnliche Wege um den Betrieb zuverlässig aufrecht erhalten zu können. So lieh sich die Schweizerische Südostbahn, kurz SOB, ab August 1990 von der Deutschen Rechsbahn eine BR 243 aus. Die Lok kam auf den 50 Promille-Steilrampen der SOB vor Personen- und Güterzügen zum Einsatz. Die "berühmteste" Leistung war der "Gipfelizug" von Zürich-Altstätten nach Einsiedeln und zurück. Er diente im Winter vor allem dem Transport der Skifahrer aus der Stadt in die Berge. Seinen Namen bekam er von den im Restaurantwagen durch Ehefrauen einiger SOB-Mitarbeiter angebotenen Gipfeli (Croissants). Im Sommer verkehrte der Zug meist ohne diesen Service. Das Güterverkehrsaufkommen bei der SOB beschränkte sich vor allem auf Lieferungen von Baumaterial, Kies und Schotter für grössere Baustellen in der Region. Auch für diese Transporte wurde die Lok verwendet. Im Januar 1992 wurde die Lok in die Nummer 143 922-3 umnummeriert und diente anschliessend noch bis Sommer 1995 im Schweizer Voralpenland. Danach wurde sie an die DB AG zurückgegeben. Von Anfang an war die Rückgabe vorgesehen, deshalb behielt die Lok ihre DR-Lackierung und -Initialen. Einzig gelbe "SÜDOSTBAHN"-Schriftzüge auf grünem Grund unterhalb der Führerstands-Seitenfenster wiesen auf den temporären Nutzer hin. Für den Betrieb in der Schweiz bekam die Lok einige technische Änderungen. So wurde die Integra-Zugsicherung eingebaut, auf dem Dach ein Pantograf abmontiert, der andere durch einen Einholmpanto Schweizer Bauart ersetzt, welcher um 180 Grad gedreht montiert wurde. Die runden Puffer wurden wegen des Streckenverlaufs gegen grössere Rechteckpuffer ausgetauscht.

Das Bild von Roland Korving zeigt die 143 mit dem "Gipfelizug" kurz vor Einsiedeln.
 
Modell
Die neue Märklin 243 bot sich aufgrund des DR-Logos idealerweise für die kleine schweizerische Umgestaltung an. Dank meinem OKI waren die Beschriftungen ohne grössere Schwierigkeiten zu erstellen. Aber einfach nur die SÜDOSTBAHN-Tafeln dran, damit war es dann doch nicht getan. Das Modell frisch aus der Packung fuhr eher mässig und gehemmt mit Rucken und einem rasselnden Fahrgeräusch. Zudem war eine rasche Erwärmung feststellbar. Neben der optischen Anpassung stand also auch eine technische Erstuntersuchung an.

Ich hab ja schon länger keine neue M-Lok mehr bekommen. Dass die Kontaktbleche innen weggelassen, bzw. eingespart wurden ist mir dann doch neu. Genauso, dass der Schleifer den Kontakt nun über den vorhandenen Luftspalt herstellen soll!? Ich gehe davon aus, dass die Bleche einfach vergessen wurden.
 

Also wurde der innere Schleifer etwas hochgebogen, so dass er in jeder Fahrsituation das Lokchassis berühren sollte.
 

Wie gehabt, das Innere der Lok trieft vor Öl!
 

Auch weiter drinnen, Öl in überflüssiger Menge. Der Motor war aber völlig trocken! Bemerkenswert, die Lager der rechten Schneckenwelle steckten sehr fest in den Aussparungen des Chassis und mussten vorsichtig herausgehebelt werden. Auch waren alle Schrauben sehr fest angezogen. Das Öl machte einen recht zähen, klebrigen Eindruck, also wurde es komplett entfernt und durch Trockenschmiermittel von Z-Hightech ersetzt.
 

Der Motor hatte zum Glück kein Öl abbekommen, das ist schon mal lobenswert. Allerdings scheint die Lok nicht gerade in einem Reinraum montiert zu werden. Messwerte des Motors allein mit braunem Trafo: Min. 35 mA, max. 60 mA. Das geht in Ordnung. Nachher mit frisch geschmierten Chassis nahm sie zwischen 70 und 100 mA, ohne Beleuchtung. Das lässt auf leichten Lauf aller Antriebsteile schliessen. Ich habe beim Zusammenbau auch die Schrauben mit Bedacht angezogen.
 

Bemerkenswert: Die Pufferteller wurden endlich grösser nachgebildet, wie der Vergleich mit einem älteren Exemplar zeigt.
 
Neben den technischen Arbeiten stand nun die Verwandlung in eine SOB-Mietlok auf dem Programm. Die Lok wurde dabei auch noch etwas gesupert und mit Betriebsspuren versehen. Hier die Arbeiten im Einzelnen: - Demontage eines Pantografen - Abdecken der entstandenen Löcher - Zweiter Pantograf um 180° gedreht montiert - Dachleitung gekürzt und Farbe angepasst - Hauptschalter farblich verbessert - Überspannungsableiter farblich verbessert - 4 x Schriftzug "SÜDOSTBAHN" angebracht - 4 Loknummer 143 922-3 angebracht - 4 Rechteckpuffer mit angeschrägter Innenseite angesetzt - Fahrwerk betriebsverschmutzt - Führerstände in Beige (Tisch und Rückwand) und Schwarz (Zwischenraum) eingefärbt - Lokführerfigur eingesetzt - Bremsleitungen, Kuppeleisen, Vielfachsteuerkabel angesetzt - Schienenräumer angesetzt - Pantograf abgesenkt und Rastnase so gebogen, dass er bei Bedarf auch unten bleibt - Leichte Verschmutzung der Dachpartie

Das geänderte Modell, nach Absschluss der Arbeiten.
 

Die Nahaufnahme zeigt auch die überaus feine Gestaltung des Märklin-Modells. Ohne diese kämen auch die zugerüsteten Feinheiten nicht so überzeugend heraus. Bestechend, wenn auch hier nicht zu sehen, ist die Wirkung der warmweissen Spitzenlicher. Neben der perfekten Farbe ist auch die Leuchtkraft optimal - auch im Verhältnis zur Schlussbeleuchtung.
 

Die angepasste Dachpartie. Die Abdeckung der Löcher des abmontierten Pantografen wurden mit einen dünnen Folie abgedeckt. Leider hatte ich keinen passenden Farbton auf Lager um diese Stelle dem Rest des Dachs anzugleichen. Fast vermisst hatte ich das Loch für den Umschalter ;-), dieses gehört nun glücklicherweise der Vergangenheit an!
 

Rechteckpuffer, Bremsschläuche, Kupplung und Schienenräumer im Detail.
 

Ein Z-Modell? Aber sicher!
 

Unterwegs mit dem sog. Gipfelizug von Zürich-Altstetten nach Einsiedeln in der Sommerkomposition.
 

Und hier vor einem Schotter/Kieszug, dem hauptsächlichen Ladegut auf der SOB-Strecke.
 
Der Umbau in ein ganz besonderes Modell hat Spass gemacht. Der Aufwand ist nicht allzu gross. Enttäuschend bleibt die Fertigungsqualität einiger technischer Komponenten. Fusselige Motoren, verölte Chassis vergessene Kontaktbleche, nicht einrastende Pantografen und miserable Fahreigenschaften frisch aus der Packung sollten definitiv der unrühmlichen Vergangenheit der Vorjahre angehören. Nicht jeder Kunde will und kann das selbst nachbessern! Das Gehäuse ist inkl. Beleuchtung perfekt gemacht. Die Abkehr von den gelben LED und den viel zu kleinen Puffertellern zeigt, dass bei Märklin etwas passiert. So bin ich denn auf zukünftige Modelle gespannt!