Die SBB Re 482 im Massstab 1:220

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Basierend auf der DB-Baureihe 145 stellte Adtranz Anfang 2000 die Zweisystemloks der Baureihe 185 für 15/25 kV vor. Im Jahr 2002 übernahm die SBB die ersten Loks und reihte sie als Re 482 in den Fuhrpark ein. Äusserlich unterscheiden sich die Loks durch die vier Stromabnehmer - die jeweils aussen liegenden tragen das schmale Schleifstück nach Schweizer Norm. Innerhalb des Lokkastens wurde die Leistung gegenüber den ersten Serienloks von 4.2 auf 5.6 MW angehoben. Damit erfüllt die 482 das gleiche Leistungsprogramm, wie die Re 460. In Doppeltraktion können die Loks so die maximale Zughakenlast von 1300 t über den Gotthard oder Lötschberg befördern.

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Blau-roter Container: Über Geschmack lässt sich ja wirklich streiten, dennoch lässt die farbenfrohe Lackierung auch das finanzschonende Zweckdesign der meisten Neubauloks noch ganz elegant wirken. Mehr als deutlich wird auf den Einsatzzweck der Lok hingewiesen. Während die glatten Seiten dem Formenbau kaum Arbeit machen dürften, ist auf dem Dach richtig was los.

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Das Gesicht der neuen Loks erscheint mit Ausnahme des Taurus vollkommen gleich. Bei näherem Hinsehen sind die Proportionen und Details dennoch unterschiedlich. Die Re 482 fällt hier z.B. mit besonders vielen Griffstangen und grösseren Frontscheiben aus der Reihe. Der Schneeräumer ist SBB-typisch grösser als bei den ausländischen Verwandten. Der Lokkasten hat eine durchlaufende gerade Unterkante.

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Kommen wir zum Modell - zuerst der Massvergleich: Das erste Gefühl sagte mir, dass die Proportionen nicht hundertprozentig stimmen. So war es denn auch. Die Linien auf der linken Seite zeigen, dass der Bereich zwischen der mittleren Haube und den Führerständen gestreckt wurde. Pro Seite ca. einen Millimeter. Sowohl der Lokkasten, als auch die LüP sind somit zwei Millimeter, oder fast einen halben Meter zu lang. Der halbe Meter, den die BR 152 im Vorbild länger ist. Vom 152er Modell stammt das Fahrwerk und dafür musste man den Aufbau passend machen. Die Drehgestelle stehen somit auch zu weit innen, was einen grossen Überhang, so wie bei der 152 ergibt. Grundsätzlich sind die Drehgestelle einfach falsch. Weder Aussehen, noch Achs- und Drehzapfenabstände oder Raddurchmesser sind vorbildorientiert. Beim Taurus mag das Drehgestell noch gut durchgehen, hier wirkt es einfach deplaziert. Eine Drehgestellblende kostet als Ersatzteil wenige Euro! Scheinbar liegt dieses Teil bei den wenigsten Neukonstruktionen noch im Budget...

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Gehen wir auf die Strecke und schauen, was die 482 sonst noch bietet. Die Fahreigenschaften entsprechen den Spendern des Chassis und liegen daher im guten Bereich im Kreis der Drehgestelllokomotiven. Im Getriebe findet sich kein Kunststoff, somit schnarrt die Lok vernehmlich und auch etwas lauter als meine 152 und der Taurus. Aber die sind ja auch bleigedämmt... Auf dem Dach fallen zuerst die vielen Einholm-Stromabnehmer auf. Diese hätten durchaus etwas tiefer sitzen dürfen, der altbekannte Panto lässt das leider nicht mit sich machen. Im Gegensatz zur 152 finden sich auch keine Andeutungen der Isolatoren. Die Dachleitungen sind weitgehend vorhanden und vertragen sicher noch etwas Farbe an den Isolatoren. Irgendwie finde ich das Dach nicht sonderlich elegant, vielleicht ist auch die Färbung der Stromabnehmer nicht optimal.

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Schauen wir uns mal das Gesicht an. Die 482 schaut freundlich, eigentlich viel zu freundlich! Die Scheinwerfer sitzen deutlich zu hoch. Beim Vorbild sind sie unter der Rundung, knapp über der Pufferbohle angebracht. Hier liegen sie mitten drin und sind plump gemacht mit ihrer dunklen Leuchtfläche. Gefällt mir nicht, und ich frage mich nach dem Grund dafür!? Gehen wir weiter nach unten... Irgendwas stimmt hier nicht. Wo beim Vorbild die Pufferbohle sitzt, findet sich hier eine tiefe Einbuchtung. Die Puffer kommen noch eine Etage tiefer, stehen unter dem Gehäuse heraus. Bei der 152 ist das mit dem Spalt richtig, bei der 482 definitiv falsch. Irgendwie ist die Front verhauen: Neben den bereits genannten Ungereimtheiten finden sich weiterhin zu kleine Stirnfenster und darunter Klappen, wo das Vorbild keine hat.

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Kommen wir zu einem durchweg hervorragenden Kapitel: Die perfekte Bedruckung! Ob Griffstange, Türgriff oder mehrfarbiges Anschriftenfeld - das lässt sich nicht besser machen.

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Für Lupen- oder Makrofetischisten bietet die Lok allerlei Daten zum Entdecken.

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Abstossend: Die Kupplung hat Dauerkontakt mit der Pufferbohle, somit ist auch das Drehgestell in seiner Bewegung behindert. Bei Unebenheiten wird die Kupplung sogar sichtbar nach unten gedrückt. Keine gute Voraussetzung für reibungslosen Zugbetrieb, denn...

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

...die Kupplung hängt schon im Normzustand zu weit unten, wie das Bild mit dem handelsüblichen Flachwagen zeigt. Genauso die Puffer. Was soll das nur, frage ich mich... Das Handmuster machte Appetit, jetzt bleibt einem der Bissen im Hals stecken, weil das Serienmodell praktisch dem Handmuster entspricht. Eine Lok zum Fehler beheben, Basteln und Verbessern für CHF 295.-, das ist schon ein hartes Brot. Oder bin ich zu anspruchsvoll? Märklin muss sparen - und das spürt man leider allzu deutlich!