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Basierend auf dem Eurosprinter und der BR 152 konstruierte Siemens von 2000 bis 2002 die Viersystemloks der Baureihe 189 für für die DB. 2002 - 2003 wurden die DB-Loks ausgeliefert und kurz darauf die Loks für die Siemens Dispolok GmbH. Sechs erhielten das "Schweizpaket" und wurden fortan auf den SBB-Gleisen getestet. 2004 bestellten die SBB definitiv 18 Lokomotiven, welche schliesslich ab 2005 als Re 474 im grenzüberschreitenen Güterverkehr nach Italien eingesetzt wurden Äusserlich ähneln die Loks den anderen neuen Baureihen unterscheiden sich aber durch die umfangreiche Dachausrüstung und die gesickten Seitenwände Die Leistung von 6.4 MW und die Höchstgeschwindigkeit von 140 km/h entspricht heutigen Anforderungen im Güterverkehr.

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Eine Vielzahl von Leitungen und Isolatoren resultiert aus der Tauglichkeit für alle in Europa üblichen Stromsysteme. Die Dachhöhe ist aus Rücksicht auf verschiedene Lichtraumprofile und die Überschlagsicherheit bei 25 kV Spannung um 14 cm abgesenkt. Der Übergang zur Frontpartie erscheint deshalb etwas "eckiger"
 

Die Stirnseite ähnelt den anderen Neubauloks. Im Detail fallen die hell hinterlegten LED-Lampen für das Spitzensignal auf. Das Abblendlicht kommt aus den Linsen im Zentrum der LED-Lampen, während das Fernlicht aus den Klarglasreflektoren strahlt.

Kommen wir zum Modell... Die Stirnseiten prägen ja nicht unwesentlich den Gesamteindruck. Mit Ausnahme der sehr kräftigen Umrandung, dem nicht ganz getroffenen Seitenverhältnis der unteren Lampen und der seltsamen Ecke unten zwischen Stirn und Seitenwand kann die Form befriedigen. Die Lampen wurden im Lichtleitkörper angedeutet, können natürlich aber nicht hell hinterlegt sein. Die angespritzten Griffstangen stimmen in Form und Anzahl. Dass die hochglänzende schwarze Fläche unter den Stirnfenstern matt und vor allem äusserst lückenhaft aufgedruckt wurde, ist schwer zu verstehen. Schade.
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
Die Seitenansicht. Insgesamt wirkt die Lok bulliger, als das sehr schlanke Vorbild. Ohne das nachmessen zu wollen, der Lokkasten müsste etwas niedriger sein und hätte dem Vorbild dann viel besser entsprochen. Die Längenabmessungen sind mit Ausnahme des Achsstands der Drehgestelle und dem Raddurchmesser erstaunlich passend. Mit längeren Pufferhülsen wäre die Länge sogar exakt. Sehr schön die Bedruckung, auch des Chassis. Leider hat man die Bedruckung der Griffstangen vergessen. Wieder schade, das kann man doch! Die Drehgestelle entsprechen nicht genau dem Vorbild, sie passen aber viel besser, als bei der Re 484.
 

Der Dachgarten ist reichhaltig bestückt. Nicht alle Leitungen haben ihr Ende am richtigen Ort, aber das fällt kaum auf. Der Umschalter sitzt ziemlich tief in seinem Loch hinter dem grossen grauen Isolator. Schön die lackierten Unterscheren der Pantos und auch die verchromten Oberscheren sind vorbildähnlicher als dunkle. Die Signalhörner sollte man noch schwarz hervorheben. Und dann auch gerade noch die Griffstangen ;-)

Viererbande: 3 x Siemens, 1 x Bombardier. Was soll man jetzt zu den Modellen sagen? Die 152 ist sehr gelungen, der Taurus auch. Die Beiden rechts kommen mit zum Teil unnötigen und unschönen Fehlern oder optischen Mängeln zum Käufer und fallen deutlich ab. Die 474 sollte z.b. etwas flacher als die anderen sein. Ist sie aber nicht, sondern sie überragt die anderen, was keine optische Täuschung ist. Die technische Basis ist bei allen gleich - dachte ich. Hier bietet die neue 474 aber einige Überraschungen, und die schauen wir uns jetzt etwas näher an.

Im Vergleich zum bekannten Innenleben hinten, hat die vordere 474 neue Materialien, neue Kreuzschlitzschrauben...

...neue Bauteile, mehr Lötzinn und einen anderen Motor! Die Kontaktfedern zur Beleuchtung wurden mit viel Lötzinnn befestigt und liegen sehr straff an.

An den Lagerschalen des Chassis wurde von Hand nachgeschliffen. Dies ist bei allen vier Lagern der Fall. Das Gussmaterial scheint ein anderes zu sein, das Chassis ist mit 15 g ein Gramm leichter als das rechte.

Die bisherigen Bronzelager wurden durch Messinglager ersetzt, die nicht sehr sauber gedreht sind. Sie sitzen auch etwas tiefer im Chassis.

Was beim ersten Betrachten wie eine (billige) Raubkopie des bisherigen Fünfsterns aussah, entpuppte sich beim näheren Begutachten, einem Fahrtest und einer ersten Messung als anderer Motor. Das Laufgeräusch ist sehr laut, der Motor vibriert ähnlich wie ein Dreipoler. Bei kleinster Spannung: Alter Motor läuft, neuer noch nicht, erst bei der 2. Stufe setzte er sich in Bewegung. Drehzahlniveau insgesamt hörbar deutlich niedriger. Die Stromaufnahme, getestet am braunen Trafo mit voll aufgedrehtem Regler ist niedriger, mit 80 mA bei höchster Spannung zu 120 - 140 mA. Bei Doppeltraktion nehmen die alten Motoren dem neuen soviel Saft weg, dass er kaum noch drehen mag! Dies ist sowohl beim Märklintrafo, als auch beim Jörger der Fall.

Jetzt kam noch der Belastungs-Fahrtest mit blauem Uralt-Fahrpult: Die Re 484 setzt sich bei Anfangsspannung vor einem 21 Wagen- Zug in Bewegung. Höchsttempo rasant wie immer. Die Re 474 braucht Reglerstellung 100 um anzufahren. Höchsttempo moderat mit ausgeprägtem Unterschied bergauf/bergab Insgesamt wirkt die neue deutlich drehmomentschwächer. Die Erwärmung hielt sich auch nach 15 min. in Grenzen. Fahrtest mit Jörger DeLuxe Regler: Auf der Bachs-Anlage getestet, Netzteil auf 6V. Bei Alleinfahrt wie gehabt, niedrigstes Tempo = absolutes Kriechen. Mit dem langen Zug kam das erstaunliche - auf der schwachen Steigung zog der Motor nicht mehr durch, sondern kam zum Stillstand und fing an zu brummen, egal wie ich am Regler drehte. Mit 7.5 V ging es dann wieder, aber auch hier war die Belastung spürbar. Der Lastausgleich hat also Mühe, das Tempo zu halten.. Andere Loks gleicher Bauart haben bei 6 V einen absolut gleichmässigen Motorlauf bis zum Maximaltempo.

Nicht nur an den Drehgestellen fand sich ein neuer Schmierstoff. Der Vorteil des relativ zähen Fettes: Es bleibt in etwa da, wo es hingehört. Es ist allerdings so zäh, dass die Drehgestelle schwergängig liefen, was in Verbindung mit dem schwachen Motor zu einer sehr niedrigen Endgeschwindigkeit führte. Ich habe die Drehgestelle gereinigt und mit Trockenschmiermittel von Z-Hightech versehen. Die Lok fuhr daraufhin deutlich besser.

Dieses Gespann wird nur digital funktionieren, nach genauer Decoderabstimmung auf die verschiedenen Charakteristika. Optisch liegt die Re 474 leicht vor der 484, technisch markiert sie einen Rückschritt und der ist vor allem dem Motor anzukreiden. Klar wünschen sich die Zetties Loks, die langsamer fahren. Aber nicht auf diesem Weg!