Die SBB Ee 3/3 in Vorbild und Modell

Die weitgehende Elektrifizierung des Schienennetzes bewog die SBB, anfangs der zwanziger Jahre nach einem Ersatz für die im Rangierdienst eingesetzten E 3/3-Dampfloks zu suchen. 1922 wurden zwei Prototypen mit der Bezeichnung Ee 3/4 in Auftrag gegeben. Um die Achslast auf 15 t begrenzen zu können, waren die Loks einseitig mit einer Laufachse versehen. Die ab 1928 gebaute Serienversion wurde aufgrund der technischen Fortschritte ohne Laufachse produziert und als Ee 3/3 16311 - 16326 eingereiht. Die Konstruktion war so gelungen, dass sich die Beschaffung von insgesamt 136 Loks über 38 Jahre in kleinen Serien hinzog, grosse Teile der Konstruktion wurden bis zur letzen Lieferung im Jahr 1966 kaum geändert. Die Loks aus dem Jahr 1928 wiesen noch einen Führerstand an einem Ende der Lok auf. Dieser verursachte zusammen mit dem weit vorgezogenen Dach die mehr oder weniger liebevollen Bezeichnungen "Bügeleisen" oder "Halbschuh" für diese Maschinen. Charakteristisch war der Winterthurer Schrägstangenantrieb von der durch den Fahrmotor angetriebenen Blindwelle auf die Kuppelachsen. Durch die miteinander verbundenen Achsen liessen sich hohe Zugkräfte ohne die Gefahr einzelner schleudernder Achsen realisieren. Ein Konzept, das damals auch bei schnellfahrenden Loks angewandt wurde, seine Stärke aber doch eher dort hatte, wo es auf hohe Zugkraft ankam. Dieser antik anmutende Antrieb war so gelungen, dass er während der ganzen Bauzeit beibehalten wurde.
Andere Teile wurden indes den Betriebserfahrungen und dem Fortschritt angepasst: Die 19 Loks aus den Jahren 1930/31 erhielten einen Mittelführerstand, der das Rangieren in beide Richtungen erleichterte. Diese Anordnung wurde für alle weiteren Serien beibehalten. Eine zweite Rangiererplattform und dadurch eine von 9060 auf 9750 mm gestiegene Länge über Puffer kennzeichnete die Loks 16351 bis 16376 aus den Jahren 1932 bis 1942. Auch diese sinnvolle Ergänzung floss in die späteren Baulose wieder ein. Weitere technische Verbesserungen sorgen ab der 16381 aus dem Jahr 1944 für eine Heraufsetzung der Höchst- geschwindigkeit von 40 km/h auf 50 km/h, während das Gewicht von 45 auf 39 Tonnen sank. Mit weiter angehobener Motorleistung wurden die Loks aus den 50er und 60er Jahren mit Ballast versehen, um diese auch ausnutzen zu können. Die zwei letzten Serien wurden auch äusserlich etwas moderner gestaltet, was sich in einem deutlich glatteren Aufbau widerspiegelte.


Das Glätteisen 16318, das auf dem ehemaligen Depotareal in Romanshorn untergebracht ist, leistete seit Anfang der 80er Jahre bei der Mittelthurgaubahn Dienst. Die Lok wurde vom Dienstpersonal "Röbi" getauft.

 


In Romanshorn leistet auch die ziemlich heruntergekommene 16365 aus der zweiten Lieferserie Dienst. Hier stellt sie gerade einen Intercity neu zusammen.

 


Prominenter Platz: Die 16390 im Jahr 2009 auf Gleis 16 in Zürich HB. Bei dieser Serie aus den 40er Jahren ist der längere Vorbau weniger geneigt, als bei den älteren Loks.

 


Die 16443 in Olten ist 2005 noch in der rotbraunen Ursprungslackierung unterwegs...

 


...während die 16444 das aktuelle Rot und das neue SBB-Logo hat. Beides sind Loks aus den letzten Baulosen, die doch erheblich "glatter" wirken.

Betrieb

Das grosse "E" der Lokomotivbezeichnung steht für Rangierlokomotive, das kleine für den elektrischen Antrieb. Die Ee 3/3 wurde grundsätzlich als Lokomotive für den leichten und mittelschweren Rangierdienst beschafft. Anfänglich wurde sie auch für leichte Güterzüge auf kurzen Strecken eingesetzt, war aber mit 50 km/h Höchstgeschwindigkeit schon früh viel zu langsam dafür. Bekannt sind auch Dienste am Ablaufberg von grossen Rangierbahnhöfen mit bis zu 900 t schweren Zügen. Ein Beweis für die gute Konstruktion war die Tatsache, dass sie diesen "Murks" ohne grosse Probleme überstanden. Die Ee 3/3 verfügen über keine Vielfachsteuerung, mussten sich also immer allein abmühen. Die Ee 3/3 sind noch heute häufig in grösseren Bahnhöfen anzutreffen, oftmals sind sie für das Zusammenstellen der Reisezüge zuständig. Auch in den kommenden Jahren werden sie sich mit ihrer unscheinbaren Art nützlich machen und bleiben unverzichtbar.

Die Ee 3/3 von Z-Modellbau

Das erste Z-Modell einer Schweizer Rangierlok erreicht 38 Jahre nach dem Miniclub-Start die 6.5 Millimeter-Gleise. Lange Zeit erschienen solche Modelle undenkbar, vor allem in motorisierter Ausführung. Spätestens nach der Realisierung der motorisierten Z-Köfs von Andreas Scheibe gelangte ein solches Modell in greifbare Nähe - der Antrieb war machbar. Die Frage, ob solch ein Köf-Antrieb auch eine deutlich grössere Lok bewegen kann, war durchaus berechtigt. In der Planungsphase wurde deshalb auch ein grösserer Motor mit einbezogen. Letztlich zeigte sich das bewährte Z-Modellbau-Antriebskonzept auch den neuen Aufgaben gewachsen, wie die folgenden Zeilen beweisen. Ich habe das Modell gründlich eingefahren. Frisch aus der Packung lief die Lok zuerst nicht ganz rund. Nach zwei Stunden in jeder Fahrtrichtung auf dem Rollenprüfstand durfte die Lok auf meiner Testanlage dann zeigen was sie kann. Mit dem Märklin Fahrgerät fährt die Lok recht gut, die Höchstgeschwindigkeit liegt bei ca. einem Drittel einer Miniclub-Lok, ein angenehmes Tempo ergibt sich bei Reglerstellung zwischen 100 und 150. Wirklich Spass macht die Ee 3/3 mit einem Jörger Deluxe-Regler. Hier kann die Höchstgeschwindigkeit mit dem Poti oder durch die Eingangsspannung angepasst werden. Dann steht der ganze Reglerweg zu Verfügung und dementsprechend kann extrem feinfühlig gefahren werden. Die Mindestgeschwindigkeit ist als Bewegung kaum wahrnehmbar. Das Geräusch der Lok ist geprägt durch hoch drehende Getriebeteile und die Schneckenantriebe an den äusseren Kuppelachsen. Die sich bewegenden Kuppelstangen fügen noch die typische unruhige Schwingung hinzu. Insgesamt nicht unsympathisch... Die Fahrwerte belegen ganz klar den Spitzenplatz unter den Kleinloks. Die Stromaufnahme auf den äusseren Achsen überzeugt, da diese ein leichtes Spiel haben und sich Unebenheiten anpassen. Und was zieht Kleine? Vorneweg: Die Zugkraft darf angesichts der Abmessungen der Lok als herausragend bezeichnet werden. Selbst auf leichten Steigungen werden 20 Achsen anstandslos befördert. Bei einem Versuch in der Ebene wurden 16 Wagen, darunter drei schwere Drehgestellwagen mit etwas Schleudern in Fahrt gebracht - da muss sich manche Drehgestelllokomotive strecken. Die überaus ordentliche Zugkraft geht natürlich zum grossen Teil auf das Konto der massiven Bauweise. 23 Gramm zeigte meine Waage, nur ein Gramm weniger, als eine Märklin-V 100! Trotz hohem Gewicht und guter Zugkraft besteht kaum Gefahr, den Antrieb zu überlasten - dieser dreht auch dann noch durch, wenn die Anhängelast die Traktionsleistung übersteigt.

Nun besteht solch eine Ee 3/3 ja nicht nur aus einem Antrieb, die Aufbauten machen schliesslich das Fahrwerk zur Lok. Der Aufbau der Ee 3/3 ist eine echte Herausforderung für eine Kleinserienfertigung. Gewählt wurde eine Lok aus der zweiten Serie, die 16367. Die 9750 mm des Vorbild ergeben in 1:220 eine Länge von 44.3 mm, die das Modell auf den Zehntel genau einhält! Genauso lässt sich die Höhe von 20.6 mm mal 220 nehmen und ergibt exakt die des Vorbilds. Wen überrascht es da noch, dass auch der Achsstand von 18.4 Millimetern genau massstäblich ist. Die Grundvoraussetzungen für ein schönes Modell stimmen also. Wenden wir uns nun den optischen, nicht messbaren Eigenschaften zu:


Die Ee 3/3 16367 von Z-Modellbau ist ein echter Hingucker. Soviel kann man schon zu Anfang sagen. Der Erste Eindruck, als ich sie aus der Schachtel nahm: "Wow, ist die fein!"

 


In dieser extremen Makroaufnahme wird deutlich, was man schon aus normalem Abstand ahnt: Die angesetzte Nummerntafel, gerade mal einen Millimeter hoch, gibt die Loknummer gestochen scharf wieder. Auch die Baureihenbezeichnung ist gut zu erkennen. Weitere, kleinere Anschriften wären kaum lesbar hinzubekommen, auf sie wurde verzichtet. Die typischen Fabrikschilder finden sich interessanterweise an den Loks aus den ersten Serien nicht oder nicht mehr, wie die Vorbildaufnahmen beweisen. Insofern ist das Modell hier vorbildgerecht, was man fast bedauern möchte.

 


In der Stirnseitenansicht zeigt es sich: Das ist eine Ee 3/3. Wieder die grandiose Nummerntafel, dazu sehr plastische Gehäusedetails und eine Vielzahl von freistehenden Griffstangen. Da freut sich der Rangierer! Auch die weiss lackierten Lampennachbildungen gefallen durch angemessene Grösse und Plastizität. Nicht allzu negativ fällt die typische Z-Modellbau-Kupplung auf, mittlerweile fast sowas wie ein Markenzeichen...

 


Fahren wir mal auf ein Diorama. So wirkt die Lok nochmals ein Stück gediegener. Und der Pantograf darf mal an die (gedachte) Fahrleitung gelegt werden. Der Stromabnehmer ist schon allein ein Kunststück, dazu unten mehr... Bremsen hat die Ee 3/3 keine - sie wären angesichts des beschränkten Platzes auch kaum machbar. Die Räder sind grössenrichtig und wie beim Vorbild mit leicht erhabenen Gegengewichten versehen. Die feine Kuppelstange ist mit extrem winzigen Nieten an den Rädern angebracht. Die Blindwelle wurde angedeutet und dreht sich nicht mit - eine saubere und optisch überzeugende Lösung.

 


Abgebügelt mit zwei K3 im Schlepp: Hier scheint Mittagspause zu sein. Aber das Zügli kann sich sehen lassen, das passt einfach...

 


Nach dem Mittagessen geht es weiter - der Liegewagen muss bereitgestellt werden.

 


Verwandte unter sich: Mit der Ce 6/8II hat die Ee 3/3 den Antrieb via Schrägstange gemeinsam.

 


In der "grünen Phase" der SBB stachen die rotbraunen Rangierloks farblich heraus.

 


Und auch zu Loks neuerer Generation macht sich der Rangierhobel gut.

 


Rangierer Ruedi auf seinem Arbeitsplatz.

 


Über die filigranen Aufstiege freut sich Ruedi wohl genauso wie ich. Die Schienenräumer dürften ihm hingegen aber ziemlich egal sein, ich hingegen finde sie einfach super.

 


Und jetzt an die Arbeit. Der Xs muss noch an einen Zug gesetzt werden.

 


Aber nicht die Kupplung vergessen!

 


Gehen wir mal aufs Dach: Die Montage eines Pantos erfordert laut Dr. Scheibe mehr als eine Stunde Arbeit. Aber die lohnt sich - der BBC Stromabnehmer mit der typischen schmalen Wippe und den quer liegenden Isolatoren sieht nicht nur toll aus, er funktioniert auch mechanisch äusserst sauber. Eine weitere Dachausrüstung existiert vorbildgerecht nicht. Aus der Vogelperspektive ist auch das plastische Gehäuse gut zu sehen. Hierfür ist Metallgusstechnik verantwortlich...

 


...welche bei Kleinserien immer ein schwieriger Kompromiss aus Preis und Qualität ist. Er wurde gefunden.

 


Definitiv: Unter den Kleinsten ist sie die Grösste.

 


Bewährtes Konzept: Verschiedene Getriebstufen holen die Drehzahl des kleinen Motors runter und sorgen für Kraft.

 

Fazit: Die Z-Modellbau-Loks überzeugten bisher ohne Ausnahme. Dementsprechend lag die Messlatte schon hoch. Meiner Meinung nach hätte man die Ee 3/3 nicht besser machen können. Feinste Detaillierung, gepaart mit solider Machart und tollen Fahreigenschaften - so macht das Rangieren Spass!