Zu den beliebtesten und bekanntesten Schweizer Lokomotiven gehört bei Eisenbahnfreunden die Ae 6/6, auch als Gotthardlokomotive bezeichnet. Um die immer zahlreicher werdenden Schnell- und Güterzüge über den Gotthard zu befördern, beschafften die SBB zwischen 1952 und 1966 insgesamt 120 Lokomotiven der Achsfolge Co'Co'. Dieses Kraftpaket erbrachte eine Leistung von 5830 PS bzw. 4300 kW und hatte eine Höchstgeschwindigkeit von 125km/h. Die beiden dreiachsigen Drehgestelle und der selbsttragende, verwindungsteife Kasten wurden bei der Schweizerischen Lokomotiv- und Maschinenfabrik Winterthur (SLM) hergestellt. Die elektrische Ausrüstung stammt aus dem Hause BBC, MFO lieferte die Sicherheitsausrüstung und die elektrische Bremse. Auch nach jahrzehntelangem Einsatz kann die Ae 6/6 als moderne und bei den Lokführern sehr beliebte Lokomotive bezeichnet werden. Mit der Ae 6/6 konnte die Reisegeschwindigkeit am Gotthard deutlich angehoben werden. So sah das Pflichtenheft vor, einen 600 Tonnen schweren Zug über die Steigung von 26 % mit 75 km/h zu befördern. Bereits im Jahre 1949 erteilten die SBB der Schweizer Rollmaterialindustrie den Auftrag für zwei Prototypen, die im September 1952 (11401) und im Januar 1953 (11402) geliefert wurden. Mit diesen beiden Maschinen fanden intensive Versuchs- und Testfahrten statt. Sie kamen auch vor fahrplanmässigen Zügen am Gotthard zum Einsatz und leisteten im Schnitt 850 Kilometer pro Tag.


Für den schnellen Reisezugverkehr von heute ist die Ae 6/6 zu alt und zu langsam. Ihre zulässige Geschwindigkeit wurde auf 120 km/h herabgesetzt. Auch der recht gemächlich arbeitende Stufenschalter erweckt den Eindruck von Schwerfälligkeit. Gerade im Bereich des Güterverkehrs erweist sich die Lok aber als zuverlässiges Arbeitspferd. Im Bild eine Maschine im neuen, rot-grauen Farbkleid.


Dieser Lok sieht man den jahrelangen Betrieb sehr an, obwohl sie als Städtelok ohne Chromverzierungen nicht zu den ältesten zählt. Besonders die flachen Strecken im Mittelland sind nach wie vor die Domäne der Ae 6/6, an den Bergstrecken wurde sie von den neueren und stärkeren Re 6/6 und Re 460 abgelöst, die zudem in den engen Radien der Bergstrecken wesentlich schienenschonender laufen.


Sinnbild für die Eleganz der Ae 6/6 Reihe waren vor allem die 25 chromverzierten Kantonsloks mit den Wappen der jeweiligen Hauptorte, die nachfolgenden Exemplare trugen lediglich Wappen von Verkehrszentren ohne diie aufwändigen Zierstreifen. auch heute wirken viele der Kantonsloks gepflegter als die sogenannten Städteloks. Aber nun zum Modell!


Mit einigen Änderungen gewinnt das Märklin-Modell der Ae 6/6 ungemein: Die charakteristische Frontschürze wurde aus dünnem Kunststoff nachgebildet. Anhand verschiedener Zeichnungen wurden Form und Abmessungen festgelegt. Da die Schürze spitz zuläuft und auch gebogen ist, waren einige Versuche notwendig um die Wirkung des Vorbilds zu treffen.


Gerade in der Seitenansicht gewinnt die Lok enorm durch die Schürzen. Es soll nicht verschwiegen werden, dass die hintere wegen der Modellkupplung nur seitlich dargestellt werden konnte. Weiterhin sind wegen der nurmehr einseitigen Kupplungsmöglichkeit natürlich gewisse Einschränkungen im Betrieb hinzunehmen.


Wenn man schon am Modell herumbastelt, dann richtig: Die ganze Dachausrüstung wurde farblich angepasst, die Pantografen mit angelöteten Querstreben versehen und grau lackiert. Griffstangen aus 0.2 mm-Draht überdecken die angespritzten Andeutungen, Radsterne und Fahrwerk wurden mit einem leicht schmutzigen Grauton versehen und die obligatorischen Bremsschläuche und Kupplungshaken ergänzen die Pufferbohle. Die Scheibenwischer wurden mit leichtem Silberton hervorgehoben, das abgegriffene Fabrikschild (ja, ich weiss, die sonstige Beschriftung ist auch nicht mehr so toll) durch einen richtigerweise erhabenen Eigendruck ersetzt. Eine dezente Alterung mit Pulverfarben ergibt die "Betriebspatina".


Hier nun der Vergleich zu einem unveränderten Modell: Gerade die bei E-Loks wichtige Dachausrüstung macht den Unterschied deutlich. Eine mehrfarbige Ausführung ab Werk wäre aus Preisgründen wohl kaum realisierbar, auch wenn z.B. Piko dies bei der Hobby-Linie in H0 vormacht. Die robusten Einheitspantografen werden wohl noch Jahrzehnte Standard sein, sie haben aber durchaus Potenzial zur Verbesserung.


Dass Märklin das Modell nicht mit der Option einer geschlossenen Frontschürze anbietet ist verständlich - dies ist auch bei grösseren Spurweiten erst in den letzten Jahren zum Standard geworden. Warum die Seitenteile der Schürze aber derart verkrüppelt realisiert wurden, kann nur mit der Beweglichkeit der Drehgestelle erklärt werden. Da die selbstgemachten Schürzen aus wesentlich dünnerem (und empfindlicheren) Material sind, ist die Durchfahrt des 145er Radius nach wie vor gewährleistet. Desaströs an einer Schweizer Lokomotive wirken die roten Radsterne, an denen Märklin lange festhielt.


Grösstes Manko der Z-Modelle sind bei näherem Hinschauen immer wieder die Kupplungen. Gerade bei der Ae 6/6 verdirbt sie praktisch die ganze Frontseite. Bei kommenden Neuauflagen des Modells wären auch überarbeitete Führerstandsfenster ganz oben auf der Wunschliste...


Über die Fenster wurde schon geschrieben, über Kupplungen, Pantografen und Schürzen auch. Hier noch ein interessanter Unterschied: Das grüne Modell hat anscheinend einen neuen Drucktampon für das Wappen bekommen - endlich stimmt die Form der Druckfläche. Bleibt das Fazit... Klar ist, dass man ein Grossserienmodell nicht mit einem filigran-zerbrechlichen Bastelobjekt vergleichen kann. Einige Änderungen würden indes auch dem Märklin-Modell guttun. Warten wir es ab!