Mit der Vierundsechziger erfüllte Märklin einen seit langem gehegten Wunsch vieler Zetties. Als vielfältig einsetzbare Maschine passt die kleine Tenderlok durchaus auf fast jede Anlage mit entsprechendem Thema. Holger Späing veröffentlichte in der Trainini®-Ausgabe 04/2016 einen überaus umfangreichen Test, dem kaum etwas hinzufügen ist.

Da ich seit Anfang April gleich zwei 64er mein Eigen nennen darf, war ich sehr gespannt auf diese komplette Neuentwicklung, insbesondere auch die Qualität und Ausführung des Modells. Bei der Abholung war ich in der glücklichen Situation, die Modelle vor Ort testen zu können. Zwei Loks liefen sehr ruhig, eine andere schnarrte vernehmlich und eine weitere lief nicht rund. Wir haben also eine gewisse Serienstreuung...

Naja, die zwei ruhigen Exemplare wanderten in meinen Bestand - erst auf dem heimischen Arbeitstisch erfolgte eine tiefergehende Betrachtung und Untersuchung.

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Schon beim ersten Blick erkennbar: Der Aufbau sitzt schief. Die vorderen Ausstiegsleitern enden ein Stück über der Pufferbohle, hinten steht die Lok ca. einen Pufferdurchmesser hoch. Bei diesem Modell war das sehr deutlich ausgeprägt, bei der zweiten Lok um einiges weniger.

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In der Seitenansicht wird die Schieflage noch deutlicher. Ausserdem auffallend: Schaumstoff im Führerstand, aber leider keine Fenstereinsätze und ein überaus klobiger Getriebkasten. Man sollte aber auch die schönen Seiten erwähnen: Stimmige Steuerung, Aufstiege zur Pufferbohle, gutgemachte Laternen am richtigen Ort, Nachbildungen von Bremsen und Sandfallrohren, perfekte Bedruckung und stimmige Proportionen. Tiptop gemacht - die 64 ist wohl eins der besten Dampflokmodelle! 

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Die offene Lok offenbart den Grund der Schief/Hochlage: Drei Lagen Gewebeband übereinander, dazu der Schaumstoff der offenbar auf die hintere Beleuchtungsplatine drückte.

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Der Vergleich zur zweiten, bereits bearbeiteten Lok (die hatte wie erwähnt weniger Schieflage und nur eine Lage Isoband im Kessel) zeigt das Manko überdeutlich: Und sowas verlässt das Werk...

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Werfen wir mal einen Blick unter die Hülle: Hinten im Dach befindet sich eine Art Dichtmasse. Schwarz, elastisch, leicht klebrig. Deren Aufgabe dürfte es sein, den Schaumstoff zu fixieren. Das funktionierte zumindest bei meinen Loks nicht. Ich habe den Schaumstoff denn auch entfernt.

 

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Wiegen: 21.55 Gramm ist nicht eben viel. Da wird der zur 64er gehörende Donnerbüchsenzug schon zur Hürde, wenn es mal in die Kurve oder Bergauf geht.

 

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Abhilfe schafft eine Ladung Blei. Die Platte ist 1 mm dick und lässt sich mit einem Cutter in passende Streifen schneiden. Zwei Stück in der Rauchkammer, zwei in den Wasserkästen, zwei im Führerstand und zwei im Kohlenrucksack machen fast 2.5 Gramm mehr. Im entscheidenden Moment vielleicht gerade das Zusatzgewicht, das zwischen Hängenbleiben und Weiterkommen entscheidet. Sicherlich wären noch 1.5 Gramm mehr unterzubringen, aber ich lasse es jetzt mal so. Die Bleistücke werden dann noch mit Lack versiegelt.

Und es sei dringend angeraten, sich nach der Aktion gründlich die Hände zu waschen!

 

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Ich finde, dass insbesondere der klobige Getriebekasten zumindest bei Nahaufnahmen das Chassis total verhunzt. Warum die Konstrukteure von der in Höhe der Befestigungsschrauben abgeflachten Konstruktionsweise abgekommen sind, wissen wohl nur die Götter. Mangelnde Festigkeit wird kaum der Grund gewesen sein. Jedenfalls wollte ich hier dringend Abhilfe schaffen.

 

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Mit einem in die Kleinbohrmaschine eingespannten Kreissägeblatt wurden waagerechte und senkrechte Schnitte angebracht, die dann noch mit dem Cuttermesser zu versäubern waren. Ein riskantes Unterfangen, das mit einer Fräse wohl etwas enspannter abgelaufen wäre. Egal - jetzt hat die 64er die entscheidende Luftigkeit im Fahrwerk.

 

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Auch bei den Sandfallrohren schnitzte ich noch etwas Material aus den Zwischenräumen, dann folgte etwas schwarze Farbe in diesem Bereich. Die Wirkung ist auch mit blossem Auge betrachtet frappierend! Jegliche Klobigkeit ist weg, juhu...

 

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Die Loks von vorne: Die Lampen sind genau über den Puffern und damit an der richtigen Stelle. Unglaublich was das ausmacht - die Kleine hat ein hübsches Gesicht! Etwas "Lidschatten" in Form weisser Farbe unterstreicht das enorm. Einfach einen Tropfen Farbe mit einem dünnen Draht (eignet sich besser als ein Pinsel) im Lampengehäuse verteilen. Dafür muss das Abdeckblech der Pufferbohle mit Hilfe einer scharfen Messerklinge von der Zylindergruppe getrennt werden. Der Schnitt liegt vor dem "Lichtkasten" und ist nachher nicht sichtbar. Danach kann das aufgeklebte Abdeckblech einfach abgehebelt werden. Der Lichtleiter muss natürlich auch weichen. Der Zusammenbau nach dem Trocknen des Klebers ist keine Sache.

Eine weitere Verbesserung bringt die rote Farbe auf der Kesselstütze und den Aufstiegsleitern zum Umlauf. Es soll aber erwähnt sein, dass deren Klobigkeit und die gut sichtbaren Gussgrate nun noch speziell bei der Makroaufnahme noch auffälliger sind. Mit blossem Auge betrachtet gefällt das aber.

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Somit wären nur noch einige rote Retuschen an den Kesseln, Werkzeugkästen, Achsenden und dem Fangbügel der Treibstange zu erwähnen. Ach ja, und die Trittstufen bekamen noch etwas Schwarz auf die Oberseite. Und nun ist Lokführer Ludwig zufrieden und stolz auf seine aufgepeppte 64er ;-)