Anfang des 20. Jahrhunderts benötigten die Schweizer Bahngesellschaften neue stärkere Lokomotiven für die Beförderung der schwerer gewordenen Schnellzüge. Basierend auf Konstuktionen die bei der Jura-Simplon- und der Gotthardbahn eingesetzt wurden konnten die jungen SBB ab 1904 die ersten A 3/5-Serienmaschinen einsetzen. Die 111 A 3/5 der sog. 700er Serie waren Vierzylinder-Nassdampf-Lokomotiven. Mit ihrer Höchstgeschwindigkeit von 100 km/h und der Leistung von ca. 1000 kW konnten die Fahrzeiten fortan erheblich verkürzt werden. Bis heute betriebsfähig erhalten ist die Nr. 705 der SBB Historic.


Die von den SBB nachbestellten A 3/5 der sog. 600er Serie unterschieden sich in vielen Details von den 700ern. Dem technischen Fortschritt Folge leistend kam hier die Vierzylinder-Heissdampftechnik zur Anwendung. Eindeutige Unterschiede gibt es bei der Anordnung der Zylinder und Umlaufbleche, auch Kesselleitungen und Aufstiege sind anders angeordnet. Der Stern der bis 1915 gebauten Maschinen verblasste angesichts der bald einsetzenden Elektrifikation schnell und sie wurden untergeordneten Diensten zugeteilt. Bezeichnenderweise wurde die Nr. 620 aus dem Jahr 1912 schon 1934 abgebrochen. 22 Loks konnten sich in den Niederlanden einige Jahre als NS 35xx ihr Gnadenbrot verdienen. Im Jahr 1952 war dann endgültig Schluss und die letzte 600er A 3/5 wurde verschrottet.


Das Modell von Märklin auf der Lokführerseite: Ein Nachteil ist das kurze Führerhaus, das den Motor nur unzureichend verbergen kann. Da helfen auch die nachgebildeten Türen an Lok und Tender kaum. Das Fahrwerk ist bis auf die Farbgebung mit dem der bekannten 38er identisch. Entsprechend sind auch die Fahreigenschaften gleich. Dank des Fünfpolers läuft die Lok einigermassen ruhig, an neuere Konstruktionen kommt sie aber nicht heran. Die Zugkraft des Vorbilds lag bei 500t im Flachland und 170t auf der Gotthardrampe. Je nach Leichtlauf der Wagen zieht das Modell also knapp vorbildgerechte Zuggarnituren.


Die Heizerseite: Insgesamt wirkt die Lok etwas gedrungen. Dies liegt zu einem grossen Teil an der Anordnung von Zylindern und Vorlaufgestell. Letzteres hat zu wenig Achsstand und der Drehpunkt liegt zu weit hinten. Die Zylinder wurden von der BR 38 unverändert übernommen und sind in Anordnung, Form und Grösse grundsätzlich falsch. Ein weiterer Fehler ist der Antrieb auf der mittleren Kuppelachse - beim Vorbild wird die erste Kuppelachse angetrieben.


Beim Vorbild waren viele Leitungen aus Kupfer, Laternen, Pfeifen, usw. aus Messing. Mit einer ruhigen Hand lässt sich dies auch am Modell nachbilden. Märklin hat darauf verzichtet, dies ist aber kein Beinbruch - beim Vorbild waren die Leitungen wahrscheinlich schnell schwarzgrau... Am Dach wurde noch das Gestänge der Dampfpfeife angebracht.


Auf der anderen Seite fallen noch einige zusätzlich Schmierleitungen oberhalb des Umlaufs kupfern auf. Die Pumpe bekam eine Färbung mit Messing. Die Farben: Humbrol 54 für die Messingteile, Revell 93 als Kupferimitation. Der Tender wurde noch etwas kürzer gekuppelt. Übrigens ist dieser an der 613 falsch, die nachgebildete Bauart kam erst ab der A 3/5 617 zum Einsatz. Eine interessante Überlegung zum Thema gibt es weiter unten.


Die schönen freistehenden Lampen des Vorbilds wären der Hit gewesen, leider reichte es nur für 2 'Lichtröhren' als stilisierte Darstellung einer Lokbeleuchtung. Insofern trug die geäusserte Kritik am Vorserienmodell wenig Früchte. Immerhin wurde die Beleuchtung etwas besser als am Messemuster gelöst. Warum Märklin an neuen Modellen immer noch die Glühlampenfunzel als Lichtquelle montiert ist wohl nur mit Kostengründen zu erklären. Irgendwo müssen die lagerliegenden 100000(?) Lampen halt verbaut werden... Auch das Lokschild sitzt definitiv falsch, obwohl die Fläche dafür am Kamin angespritzt wurde.


Ein 'historische' Fotografie des überarbeiteten Modells.


Was doch etwas Farbe ausmacht. Lampen, Pfeifen und Leitungen zeigen Wirkung und machen die Lok einfach eleganter. Dazu noch Schienenräumer und geänderte Steuerungsträger und die Lok gewinnt ungemein. Der Kamin bekommt später noch einen Messingring und eine Loknummer.


Die beiden im Vergleich - nicht nur auf dem Bild liegt die leicht überarbeitete A 3/5 vorne. Warum 2 Loks? ... es gibt ja noch die 700er Serie...;-)


Die Beschriftung bewegt sich im Grenzbereich. Das Revisionsdatum ist klar lesbar und ordnet das Modell der deutschen Ep. II zu. Das 'Schweizerische Lokomotiv- und Maschinenfabrik Winterthur' ist nur zu erahnen, was bei kaum 0.1 mm Schrifthöhe auch nicht wundert. Beschriftungen kann Märklin hervorragend, das wussten wir ja schon länger.


Das sehr schöne Liliput-H0-Modell zeigt anschaulich den hohen heutigen Standard in 1:87. Es zeigt auch den richtigen Tender mit seinem symmetrischen Achsabstand und dem kleinen 'Rucksack' über der Pufferbohle. Ich habe daraufhin nach dem Z-Tender gesucht, in der Meinung, hier sei ein bestehendes Model verschweizert worden. Tatsächlich ist der Tender eine komplette Neuentwicklung! So musste ich mir hier eine neue Theorie ausdenken. Ich gehe nun davon aus, dass die A 3/5 zukünftig nicht allein die SBB-Dampffahne hochhalten wird!


Wie auf dem Bild gut zu erkennen ist, hat die Roco-C 5/6 ziemlich genau den Tender, der auch der Märklin-Z A 3/5 angehängt wurde. Wie oben beschrieben bekamen die A 3/5 diesen Typ ab der 617. Die Spekulation in diesem Zusammenhang: Mit der G 12/BR 58 hat Märklin ein geeignetes Fahrwerk um auch eine C 5/6 realisieren zu können und nun auch den passenden Tender. Also gehe ich davon aus, dass in den nächsten Jahren mit dem SBB-'Elefant' und wohl auch weiteren A 3/5-Varianten zu rechnen ist.


Die Tenderrückseiten zeigen die Gleichheiten und Ähnlichkeiten. Den Tender ohne Laternen nachzubilden ist durchaus zulässig - diese wurden beim Vorbild auch nur bei Bedarf aufgesteckt. 'Mit' finde ich persönlich aber deutlich schöner.


Historische Fahrt auf der Julierbahn: Weder eine erhaltene 600er, noch die Julierbahn gibt es im Vorbild. Also passen die beiden hervorragend zusammen ;-)


Nach ersten Testfahrten wurde beschlossen, die Lok dem Vorbild noch weiter anzupassen und die komplette Front zu überarbeiten. Gerade wird die A 3/5 mit einem Traktor in die Werkhalle der ZLM geschoben.


In aufwändiger Handarbeit wurden die 'Lampentunnel' weggefräst. Danach kam Riffelblech auf die Pufferbohle. Später konnten die Loklaternen aus 1.5 mm Messingrohr und Haltebügeln aus 0.2 mm Kupferdraht aufgeklebt werden. Auch die Löcher für die Aufstiege sind schon in der Rauchkammertür angebracht. Die Treibstange wirkt nun vorbildgerecht auf die erste Kuppelachse. Ein Zughaken und der Bremsschlauch in typischer Anordnung vervollständigen die Pufferbohle.


Nichts für schwache Nerven war die Montage der Aufstiege. Nicht nur dass die Tritte aus Riffelblech kaum mehr als einen Millimeter im Quadrat gross sind - sie erhielten auch noch eine Bohrung 0.4 mm. Danach erfolgte die Montage am Aufstieg mit wenig Klebstoff. Schwierig war insbesondere das genaue Ausrichten der Stufen.


Über mangelnde Aufträge kann sich die ZLM wahrlich nicht beklagen! Neben der SBB A 3/5 warten noch eine DB BR 38.4 und eine DB BR 62 auf ihre Aufarbeitung. Zumindest im Bereich Z-Lokomotiv-Aufarbeitung ist die ZLM somit eine ernstzunehmende Alternative zum Dampflokwerk Meiningen ;-)


Das Ergebnis des Aufwands: Eine Z-A 3/5, die ihrem Vorbild einiges ähnlicher ist, als das Grundmodell von Märklin.