Siebenunddreissig Jahre lang warteten die Z-Bahner auf eine Baureihe 44 mit Spurweite 6.5 Millimetern. Die Angst dass Märklin das Modell als Neuheit präsentiert, liess auch Kleinserienhersteller immer Abstand von einem Modell oder zumindest einem Umrüstsatz halten.
Zu Weihnachten 2009 war es dann soweit - die hohen Wellen  der Insolvenz hatten sich etwas beruhigt und die ersten Z-Modelle dieser populären Loks wurden an die Kunden geliefert. Sehr gespannt wurden erste Meinungen, Tests und Kritiken verfolgt. Berichte im Trainini-Magazin und 220dasJournal zeigten anschauliche Bilder zu Vorbild und Modell. Holger Späing und Guido Kruschke berichteten objektiv und machten auch auf verschiedene Mängel und kleine Fehler aufmerksam. Dass die 44er ein Modell geworden ist, welches das Vorbild erkennbar wiedergibt, das aber auch, teils fertigungstechnische, Kompromisse eingeht, das ist auch meine Meinung.
Die 44 hat aber auch Fehler, die mit sorgfältiger Konstruktion und sauberer Endkontrolle nicht hätten sein müssen.
Dass ich mich entgegen ursprünglicher Absicht doch eingehender mit dem Modell auseinandergesetzt habe, ist vor allem  in der für mich nicht überzeugenden Frontpartie begründet. Dem Modell fehlt hier die gedrungene Bulligkeit des Vorbilds, welche die Lok zum Beispiel von einer BR 50 unterscheidet.

Die Schnittzeichnung zeigt, was ich mit Bulligkeit meine: Gerade die Partie um die Pufferbohle wirkt sehr gedrungen. Der grosse Kessel unterstreicht dies noch, ebenso die wuchtigen drei Zylinder.
 

Im Vergleich zur Zeichnung ist das Modell an der Front deutlich gestrechter. Insbesondere ist der Rahmen hinter der Pufferbohle deutlich zu lang. Da das Fahrwerk von der etwas längeren 50er übernommen wurde (obwohl im Neuheitenprospekt von kompletter Neukonstruktion die Rede war) liess sich das nicht vermeiden. Sehr ärgerlich und vor allen vermeidbar war die labile Befestigung des Aufbaus auf dem Fahrwerk - Kessel samt Führerhaus neigten dazu, sich schräg zu stellen, somit hing das Führerhaus etwas herunter. Dazu später mehr...
Schade auch, dass die Dampfrohre zu den Zylindern viel zu weit oben enden. Ob man tatsächlich einen neuen Zylinderblock konstruieren wollte und dann doch nur den vorhandenen der 50 genommen hat? Wäre eine Erklärung... Ein weiterer Fehler, und zwar einer, über den ich nur den Kopf schütteln kann, ist die Verwendung einer N-Lichtmaschine. Jahrelang wurden grössenrichtige Lichtmaschinen verbaut und dann montiert man tausendfach solch einen riesigen Generator und es fällt keinem Mitarbeiter auf. Man kann als Modellbahner darüber hinwegsehen, ich sehe das aber kritisch und sorgenvoll. Je nach Blickwinkel fällt es mehr oder weniger auf, siehe auch die folgenden Bilder.
 

Die Lokfront: Obwohl der Kessel im Durchmesser stimmt, stellt sich kein wirklich bulliger Eindruck ein. Dafür gibt es viele Gründe.
- Die weit abstehenden Windleitbleche müssten im Profil des Umlaufs liegen
- Der Kessel ist etwas zu hoch auf dem Fahrwerk
- Der Innenzylinder samt Kolbenstangenrohren fehlt
- Die Zylinder sind etwas zu klein
- Pufferdurchmesser und Position der Laternen stimmen nicht
- Unnötig dick ist das Abdeck-"blech" der Pufferbohle, seltsam flach die obere Spitzenleuchte.
Schön ist die Bedruckung der Pufferbohle mit dem Untersuchungsdatum. Hingegen gar nicht überzeugen kann die Lackierqualität an der Pufferbohle - hier wirkt das neue Modell mit seinen blanken Metallstellen wie ein abgenutztes aus dem Gebrauchthandel.
 

Licht und Schatten beim Tender. Diesen gibt es seit 1972 und an der Form wurde fast nichts verändert. Wohl aber bei der Bedruckung.
Super die Elektropfeile und eigentlich auch die Nummer. Diese gehört aber eigentlich auf eine plane Fläche - das Lokschild. Ein Hammer, und zwar im negativen Sinn, sind die Laternen. Ob die Form hier neu gestaltet wurde, oder ob die Refektoren einfach mit Farbe ausgegossen wurde entzieht sich noch meiner Kenntnis. Schlimm sehen sie jedenfalls aus, die Tenderlampen...
 

Wenig Neues gibt es vom Chassis zu vermelden. Ein Glühlampe sorgt für Beleuchtung ab Tempo 100, drei Achsen mit Radschleifern für annehmbare Stromaufnahme, es gab aber auch schon brünierte Radschleifer, die deutlich dezenter sind. Der Motor ist einer der neuesten Generation. Er erfreut durch weniger Drehzahl, ordentlichen Rundlauf, er enttäuscht durch wenig Drehmoment, bringt aber die Achsen ab einer mittleren Spannung doch zum Durchdrehen bei Überlast. Gar nicht gefallen mir die Radsterne der Treibachsen. Die deutlich sichtbaren Ausfransungen an den Achsenden weisen auf ein Problem mit der Spritzgussqualität hin.
 

Auf diesem Bild ist die Ursache für den kippeligen Aufbau zu sehen. Am Chassis ist rechts neben dem Schraubloch eine plane Vertiefung, dann eine kleine Erhöhung im gleichen Profil, wie die Partie um das Schraubloch (roter Pfeil). Im Kessel haben wir eine leicht ausgerundete Auflagefläche,  die nur durch das Schraubloch und einen Konstruktionsfehler unterbrochen ist. Da wo beim Chassis die kleine Erhöhung ist, befindet sich im  Kessel eine völlig unnötige Aussparung (gelber Pfeil). Richtigerweise hätte die Auflagefläche nur durchgehend sein müssen. Das Gehäuse einer 50er passt jedenfalls... Ich habe später die Stelle im Kessel mit Metall aufgefüttert und dann war es perfekt.
 

Im März 2010 begann ich mit den Umbauarbeiten. Zuerst wurde der Rahrmen hinter der Pufferbohle durchgesägt.  Ein zweiter Schnitt ca. 1.2 mm weiter zum Kessel hin und etliche Feilhiebe ergaben schliesslich eine Verkürzung  des Lokchassis von 1.5 mm. Orientiert habe ich mich dabei an Vorbildzeichnungen und den Windleitblechen des Modells. Mit Metallblechen als Verstärkung wurde die Pufferbohle unter Verwendung von Zweikomponentenkleber wieder angesetzt.
 

Neue, grössenrichtige Puffer von Heckl und ein neues Riffelblech von Bavaria (eigentlich H0) wirken schon mal ganz nett. Die grobe Riffelung relativiert sich nach dem Lackieren und fällt nicht negativ auf.
 

Die DB-Laternen wurden aus 1 mm dicken Messingrohr gesägt und auf ein Blech gelötet. Deren recht komplizierter Aufbau ist weiter unten beschrieben. Kompliziert, weil ich die Lampen möglichst massstäblich aber doch beleuchtet haben wollte (auch Götz zuliebe ;-)).
Die charakteristischen Haltebügel habe ich aus 0.3mm Bronzedraht gebogen. Wichtig für das "Gesicht" der 44 und eigentlich auch aller anderen Dampfloks ist die Lage der Lampen direkt über dem Puffer.
 

Die Pufferbohle wurde innen bis hinter die Puffer ausgefräst. Dort hinein kamen zwei weisse 0402-LED. Die elektrischen Leitungen verlaufen in den ehemaligen Lichtleiterkanälen.
 

Mit eingebauter Vorlaufachse zeigt sich, dass deren Gestell auch noch gekürzt werden muss. Sie liegt eindeutig zu weit vorne.
 

Erster Funktionstest der Lampen. Die Mühe wird durch die Beleuchtung wirklich wettgemacht! Hier scheint das Licht auch noch nach
hinten durch, weil die Kanäle noch nicht abgedichtet sind.
 

Klar, meine Lampen sind keine Industrieteile und hier auch noch nicht ganz sauber lackiert. Aber gegen die überaus klobigen Exemplare von Märklin können sie allemal bestehen.
 

Das Bild zeigt noch mal die Beleuchtung in ein- und ausgeschaltetem Zustand. Rechts das Schema der Laternen. Da sich die LED nicht zufriedenstellend in der Laterne platzieren liessen, habe ich eine Lösung mit Lichtleiter gewählt. Die vorgefertigten Laternen wurden mit den Halterungen auf die  Riffelblechabdeckung gelötet. Dann wurden die Messingrohre von unten durch Riffelblech und Lampenhalterung hindurch mit einem 0.5er Bohrer aufgebohrt, womit ich den Grenzbereich des Machbaren definitiv erreicht habe. In die Bohrung wurde dann der angeschrägte Lichtleiter eingeführt. Angeschrägt deshalb, weil das Licht ja nach vorne abstrahlen soll. Zusammen mit den leicht farbbehandelten LED ergibt sich so ein schönes Licht und die Lampen bleiben trotzdem recht zierlich.